Heute kann auch dies nicht mehr Gegenstand von Diskussionen sein, daß die Awaren die getöpferte Keramik selbst anfertigten, diese nicht importierten. Die Herstellung der Töpferwaren in so Guter Qualität setzt eine hohe technische Kenntnis dieser Meister voraus.
Auf Grundlage unserer Forschungen vermuteten wir bereits früher das Vorhandensein zweier großer Keramikzentren, ein drittes nicht ausgeschlossen, auf dem Gebiet der frühen Awaren. Mit den Verfahren der Altertumskunde wurde das als sicher gesehen, daß diese Zentren in der Umgebung von Szekszárd und Dunaújváros zu suchen sind, wobei das Vorhandensein eines Zentrums in der Umgebung von Szeged nicht auszuschließen ist. Während in der Umgebung der zwei transdanubischen Gebiete an vielen Stellen und in großer Menge typisches Material zum Vorschein kam, so wurden in der Umgebung von Szeged zwar ebenfalls mehrere Fundorte, aber mit verschwindend geringer Menge gefunden. Diese Erscheinung kann mit eventuellen Forschungsproblemen zusammenhängen, denn gerade in diesem Gebiet wurden früher verhältnismässig viele Awarengräberfelder untersucht. Somit hat sich zur Zeit zur Frage der Funktionsgebiete der frühen Awaren-Töpfereizentren noch längst kein einheitlicher Standpunkt herausgebildet.
Zwischen 1974 und 1976 haben wir bei Szekszárd, an der Bogyiszloer Straße, ein Awarengräberfeld mit 788 Gräbern freigelegt. In den Gräbern wurden überraschend viel, auf Töpferscheiben angefertigte Gefässe gefunden. Überraschend war, daß von den mehreren hundert Keramiken kaum ein halbes Dutzend der Gefässe mit grober, handgeformter Technik angefertigt und in offenem Feuer gebrannt wurde. Diese Erscheinung wirft die Möglichkeit auf, daß wir mit einer in der Nähe arbeitenden, keramikherstellenden Gruppe rechnen müssen.
Im Sommer 1976 haben wir einige hundert Meter östlich des Gräberfeldes diesen Ort gefunden, wo zwischen den Häusern auch eine Brennwerkstatt für die Gefässe zum Vorschein kam. In den ersten sechs Jahren legten wir zwei Werkstätten frei, zu denen insgesamt neun Brennöfen gehörten. Aus den Häusern, Gruben, dem Abfallmaterial der Werkstätten häuften sich mehrere Kilogramm irdenes Material an und steht den Forschungen zur Verfügung.
Auf Grundlage des gewonnen Materials können wir eindeutig sagen, daß die Gräber gegebenen Gefässe von wesentlich geringerem Inhalt sind als der im Haushalt verwendeten. Während die größten Gefässe aus den Gräbern Zweilitergefässe waren, so wurden im Allgemeinen in der Siedlung 3-5 Liter Gefässe benutzt, es wurde sogar ein 20 Liter Lagergefäß gefunden. Das war allerdings eine wesentliche Übereinstimmung, daß das Material der beiden archäologischen Objekte auf Grund unserer Kenntnisse nicht zu unterscheiden war. Sie sahen wie Produkte absolut gleicher Werkstätten aus, es wurde also mit gleicher Technologie gearbeitet.
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